Was das Jahr 2020 für die Gesundheit erwerbsloser Menschen bedeutet

Sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

herzlich willkommen zu unserem Audioangebot, mit dem wir Ihnen trotz der derzeitigen Situation interessante Impulse zur Gesundheitsförderung für Erwerbslose liefern möchten.

Seit 30 Jahren setzt sich die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Mecklenburg-Vorpommern für die Gesundheit der Menschen in unserem Bundesland ein und versucht dabei vor allem, ungleiche Gesundheitschancen zu verringern. Wir arbeiten nicht nur in direktem Bezug zur Ottawa-Charta und ihren Nachfolgedokumenten, sondern auch im Einklang mit Art. 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Hier heißt es: „Jeder Mensch hat das Recht auf einen Lebensstandard, der Gesundheit und Wohl für sich selbst und die eigene Familie gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen gewährleistet sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.“ Wenn wir an die Menschenrechte denken, dann kommen uns häufig Entwicklungsländer in den Sinn, Länder, in denen Krieg oder Diktaturen herrschen. Leider haben wir auch 54 Jahre nach der Ratifizierung der UN-Menschenrechtskonvention in Deutschland noch immer Gruppen, denen es ihre individuelle Lebenssituation nicht erlaubt, ihr Leben im ihnen angemessenen Maße gesundheitsförderlich zu gestalten. Sei es, dass sie aufgrund von körperlichen Einschränkungen keine Sportangebote wahrnehmen können, aufgrund finanzieller Grenzen nicht den gleichen Zugang zu medizinischen Leistungen haben wie Besserverdienende oder die Hürden zur Teilnahme an gesundheitsförderlichen Angeboten aufgrund ihres Bildungshintergrunds zu hoch sind.

Bei Erwerbslosen, insbesondere Langzeiterwerbslosen, kommen häufig mehrere dieser Hindernisse zusammen: Ein geringes Finanzbudget trifft auf einen niedrigen Bildungsstandard und zunehmende körperliche Beschwerden. Auch wenn das natürlich nicht für alle Erwerbslose gilt, gibt es leider noch immer zu viele Menschen, deren Teilhabe an gesundheitsförderlichen Angeboten durch diese oder andere Faktoren begrenzt ist. Für all diese Personen und ihre Familien setzt sich die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung seit 2017 mit ihrem Partnern ein, um so einen Beitrag zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit und einem menschenrechtskonformen Zugang zu Gesundheit zu leisten.

Wir hoffen, dass Sie in unserer heutigen Veranstaltung viele Anregungen und Impulse für Ihre Arbeit mitnehmen können. Gerne setzen wir unsere Ziele für ein gesundes und chancengleiches Mecklenburg-Vorpommern mit Ihnen gemeinsam um.

Nun jedoch wünschen wir Ihnen viel Spaß und interessante Impulse.

Ihre Charlotte Lazarus

Hintenan, statt nur dabei: Wie das Pandemie-Geschehen die soziale Ungleichheit bedingt
Prof. Dr. phil. Nico Dragano – Institut für Medizinische Soziologie Universitätsklinikum Düsseldorf
Dass die gesundheitlichen Chancen ungleich verteilt sind, ist hinlänglich bekannt. Bildung, Einkommen und Macht haben einen nicht geringen Einfluss darauf, ob Menschen gesund bleiben. Aber was passiert, wenn unterstützende Angebote und Leistungen für die ohnehin Schlechtergestellten entfallen? Welche neuen Herausforderungen kommen auf sie zu? Und welche Chancen auf ein gesundes Leben bleiben ihnen?
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Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen auf die psychische Gesundheit
Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier – Lehrstuhinhaberin Klinische Psychologie & Psychotherapie Universität Greifswald
Die Kontaktbeschränkungen im Zuge der Verhinderung eines nicht zu kontrollierenden Ausbruchs von Covid-19 haben das soziale Leben in Deutschland für einige Wochen weitestgehend zum Stillstand gebracht. Was für viele Menschen eine Zeit des Verschnaufens vom hektischen Alltag bedeutete, wurde für andere zur erzwungenen Einsamkeit. Doch wie verträgt unsere Gesundheit die fehlende Nähe zu sozialen Kontakten?
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Vom Ansatz zur Umsetzung: partizipative Gesundheitsförderung für Erwerbslose in der Praxis
Zsuzsanna Majzik – Seniorberaterin für soziale Projekte
Neben einer niedrigschwelligen Arbeitsweise, Bezug zur Zielgruppe und der Arbeit mit Multiplikatorenkonzepten gelten partizipative Ansätze als wichtiges Kriterium der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung. Sie bieten Beteiligungsmöglichkeiten in allen Phasen eines Projektes und erfordern von allen Mitwirkenden ein hohes Maß an Engagement. Was bewirkt Partizipation bei den Beteiligten und welche positiven Erfahrungen gibt es bereits?
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Chancen digitaler Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention in Zeiten der Pandemie: Wie erreichen wir erwerbslose Menschen?
Prof. Dr. Viviane Scherenberg – Dekanin Prävention und Gesundheitsförderung APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft
Immer mehr digitale Intervention im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung strömen nicht zuletzt angetrieben durch die Corona-Pandemie auf den Markt. Doch die zentralen Fragen bleiben: Erreichen wir mit solchen Angeboten insbesondere vulnerable Zielgruppen, wie z. B. erwerbslose Menschen? Können wir die gesundheitliche Ungleichheit mithilfe der Digitalisierung reduzieren oder verstärkt die Digitalisierung die gesundheitliche Ungleichheit?
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