Projekt „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in der kommunalen Lebenswelt“


Die Bundesrepublik Deutschland zählt zu den wohlhabendsten Ländern der Welt und zeichnet sich durch umfassende Systeme der sozialen Sicherung und medizinischen Versorgung aus. Gleichzeitig zeigt sich in unserer Gesellschaft eine kontroverse Entwicklung hinsichtlich erheblicher Ungleichheiten in den Lebensbedingungen und sozialen Teilhabechancen. Die Forschung richtet sich mehr und mehr auf die Beschreibung und Erklärung der Beziehung zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit bzw. Krankheit aus. So geht aus zahlreichen Studien hervor, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit besteht.

Das Modellprojekt
Im Jahr 2014 startete ein bundesweites Modellprojekt zur Erprobung verschiedener Zugangswege zur Sensibilisierung erwerbsloser Menschen für die Thematik Gesundheit.  Ziel war es, dieser Gruppe einen leichteren Einstieg in gesundheitsförderliche und präventive Angebote zu ermöglichen. Die Grundlage des Projektes bot eine gemeinsame Empfehlung zum Thema „Arbeitslosigkeit und Gesundheit“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
Die Umsetzung erfolgte vorerst an 6 Standorten im Bundesgebiet und sollte nach den Vorgaben des „Leitfadens Prävention“ erprobt werden. Insbesondere Kapitel 4 des Leitfadens – Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten nach §20a SGB V – gab dabei die Richtung vor. Demnach sollten auch kommunale Partner aktiv im Rahmen einer vernetzten Struktur eingebunden werden, um bedarfs- und bedürfnisgerechte Angebote im Lebensumfeld der Zielgruppe konzipieren und umsetzen zu können. Die Verknüpfung von individueller Verhaltensprävention mit Verhältnisprävention sollte eine gewichtige Rolle spielen.

Die Partner und ihre Aufgaben
Das Projekt wurde 2017 ausgeweitet, aktuell sind 124 Standorte in Deutschland beteiligt. In Mecklenburg-Vorpommern befinden sich die Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte Süd, Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg und das Hanse-Jobcenter Rostock in der Umsetzung. Als zentrale Anlaufstelle für die Erwerbslosen haben die Jobcenter in der Projektumsetzung eine entscheidende Rolle. Durch Öffentlichkeitsarbeit und persönliche Beratungen der Kunden werden die Erwerbslosen über die vielfältigen Möglichkeiten in dem Projekt informiert und zur Teilnahme motiviert.
Die LVG wurde mit der administrativen und organisatorischen Steuerung des Projektes beauftragt. In der Geschäftsstelle der Landesvereinigung läuft die Koordination für die umsetzenden Standorte zusammen. In persönlicher Zusammenarbeit entwickelt die LVG mit den jeweiligen Projektkoordinatoren der Jobcenter einen Umsetzungsplan. Feste Bestandteile an allen Standorten sind Präventionskurse, Gesundheitstage mit präventiven „Schnupperangeboten“ sowie AktivA-Kurse (Aktive Bewältigung von Arbeitslosigkeit). Letzteres ist ein speziell auf Erwerbslosigkeit ausgerichtetes Training, welches die psychosozialen Ressourcen der Zielgruppe stärken und somit den beruflichen Wiedereinstieg erleichtern und fördern soll.
Um diese Angebote zu gewährleisten, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Hierbei sind vor allem die regionalen Steuerungsrunden ein wichtiges Instrument, bei dem in den jeweiligen Jobcenterregionen umsetzende Akteure aus Politik, Bildung, Wirtschaft, Sport und Gesundheit die Möglichkeit haben, sich auszutauschen und Netzwerke zu knüpfen.

Nachhaltige Strukturen entwickeln
Ein wesentliches Ziel neben der Schaffung einer niedrigschwelligen Angebotsstruktur ist auch die Verstetigung dieser. Jedoch geht hierbei der Gedanke über das Vorhalten von Präventionsangeboten hinaus. Im Sinne einer aktiven Einbindung der Erwerbslosen in die kommunale Lebenswelt, erarbeitet die LVG im Rahmen des Projektes einen Leitfaden. Dieser kann perspektivisch als Ratgeber und Hilfestellung von kommunalen Akteuren genutzt werden und zeigt wie Erwerbslose in deren Institution beispielhaft inkludiert werden könnten – Stichwort ehrenamtliche Tätigkeiten.
Die Etablierung des Verständnisses für die Zielgruppe in unserer Gesellschaft ist ein wichtiger Wegbereiter, um den Erwerbslosen in Zukunft nicht nur die Inanspruchnahme gesundheitsförderlicher und präventiver Angebote zu erleichtern, sondern um ihnen auch abseits von entgeltlicher Erwerbstätigkeit Wertschätzung zuzusprechen.

Die Laufzeit dieses Projektes ist zunächst bis Ende 2019 ausgelegt.
Bei Fragen oder Beteiligungswunsch wenden Sie sich bitte an:

Friederike Keipke
Tel.: 0385 2007 386 – 15
Email: friederike.keipke@lvg-mv.de