Thema des Monats April – Partizipation

Partizipation ist ein wichtiges Merkmal gesundheitsförderlicher Projekte. Sie stellt sicher, das gesundheitliche Chancengleichheit möglich ist und erlaubt durch die Beteiligung der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer auch die Entwicklung besserer Projekte und Angebote. Aus diesem Grund möchten wir dem Thema Partizipation mit einer Miniserie Im Rahmen unseres Themas des Monats Raum verschaffen. In kleinen knackigen Beiträgen werden wir im Monat April verschiedene Aspekte dieses Themenkomplexes herausgreifen und für Sie beleuchten.

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Mit Rat und Tat und festem Willen – Bedeutung von Seniorenbeiräten im politischen und sozialen Leben

Der Kreisseniorenbeirat Mecklenburgische Seenplatte (MSE) hat im Januar 2021 einen Brief an die 20 Bürgermeister/Amtsvorsteher des Landkreises und die Seniorenvereinigungen aus dem Landkreis geschickt. Darin werden Arbeit und Ziele sowie die Notwendigkeit der Seniorenbeiräte beschrieben. Wir veröffentlichen dieses Schreiben in Auszügen:

Der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung nimmt zu. Die Bemühungen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse von Senioren haben sich zu einem besonderen Aufgabengebiet
entwickelt. Als demokratische Initiative zur Beteiligung älterer Menschen am kommunalpolitischen
Geschehen gibt es Seniorenbeiräte. Ihr Hauptanliegen soll die Beteiligung von Senioren bei der Lösung ihrer vielfältigen Probleme und eine Verbesserung der sozialen Teilhabe sein.

Seit 2012 werden im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte die Interessen und Bedürfnisse älterer Menschen durch einen Kreisseniorenbeirat (KSBMSE) vertreten. Er nimmt die Interessen aller im Landkreis lebenden älteren Einwohner gegenüber dem Kreistag, dessen Ausschüssen und der Kreisverwaltung wahr und vertritt diese in der Öffentlichkeit. Er ist ein kommunales Gremium des Landkreises und wird vom Kreistag und seinen Ausschüssen sowie der Verwaltung im Rahmen seiner Aufgaben in die Entscheidungsfindungen einbezogen.

Der KSB-MSE wirkt bei der Planung und Umsetzung von Angeboten, welche die spezifischen Belange der älteren Generation im Zusammenhang kommunalen Lebens aufzeigen, mit.
Dies gilt insbesondere in Belangen der Themen:
• Wohnen im Alter
• Mobilität im Alter
• Alter, Gesundheit und Pflege
• Kultur, Freizeit und Bildung im Alter
• Arbeit im Alter
• bürgerschaftliches Engagement und gesellschaftliche Teilhabe
• Infrastruktur und Daseinsvorsorge
• Gestaltung des sozialen Zusammenlebens

Aufgabe des Kreisseniorenbeirats ist, die Mitwirkungsmöglichkeiten älterer Mitbürger bei kommunalen Entscheidungen zu verbessern, Initiativen älterer Menschen zu begleiten und zu unterstützen.
Er setzt sich auch für eine Verbesserung des Verständnisses zwischen junger und älterer Generation
(Generationendialog) ein. Wir unterstützen dabei auch die Forderung des Landesseniorenbeirats, analog zum Altenparlament ein Jugendparlament auf Grundlage eines Jugendmitwirkungsgesetzes im Land zu etablieren. Wir pflegen die Kontakte zu den Kreistagsfraktionen, Sozialverbänden sowie dem Landesseniorenbeirat. Der Kreisseniorenbeirat erstattet gegenüber dem Kreistag jährlich Bericht.
Im Zuge von stetig wachsender Altersarmut, Segregation und teilweise auch Vereinsamung sind wir alle aufgefordert, etwas zu tun. Aber die Seniorinnen und Senioren leben in unseren Dörfern und Städten. Leider ist festzustellen, dass hier für die Seniorenpolitik bisher noch so gut wie keine Maßnahmepläne bzw. Handlungsfelder abgesteckt sind.

Dies gelingt uns aber nur, wenn wir gegenüber unseren Gemeindevertretern, den Stadtvertretungen und
auch dem Kreistag sowie den jeweilig angeschlossenen Ämtern unsere Erwartungen auch kundtun.
Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit dem im Kreis in der Seniorenarbeit tätigen Verbänden und Vereinen. Wir möchten darauf hinwirken, dass in allen Städten und Gemeinden Seniorenbeiräte gebildet werden.

Im Jahr 2018 hat es Beratungen mit den Bürgermeistern gegeben. In diesen hatten wir uns dazu verständigt, dass:

  1. die Seniorenpolitik als Querschnittsaufgabe mehr in den Arbeitsalltag der Verwaltungen zu berücksichtigen ist;
  2. mit uns gemeinsam weitere Seniorenbeiräte, mindestens auf Amtsbasisgröße, zu bilden sind und diese
    auch finanziell mit den erforderlichen Mitteln ausgestattet werden;
  3. da, wo derzeit noch keine Seniorenbeiräte arbeiten, wenigstens ein Verantwortlicher für Seniorenarbeit
    zu benennen ist;
  4. selbst bereit zu sein, auch wenn man noch nicht aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden ist, aktiv im
    KSB-MSE oder in kommunalen Seniorenbeiräten mitzuarbeiten, um so die geballten Erfahrungen im Interesse der Seniorenpolitik mit einzubringen.

Aber bisher ist noch keine Reaktion dazu festzustellen. Es sei in dem Zusammenhang auch erinnert an den § 2 der Kommunalverfassung MV, in dem es u.a. heißt:
“Die Gemeinden sind … im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit „(1) verpflichtet, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln.
(2) Zu den Aufgaben des eigenen Wirkungskreises gehören insbesondere die harmonische Gestaltung der Gemeindeentwicklung unter Beachtung … (vieler Aufzählungen auch) … der gesundheitlichen und sozialen Betreuung.“

Wenn wir von der Seniorenarbeit als einer Querschnittsaufgabe sprechen, sollte das alle betreffen. Von der Verwaltung mit dem Landrat an der Spitze, von der Politik bis zu jedem Bürgermeister oder Verwaltungschef.

Kurz und gut: Seniorenpolitik betrifft alle Ressourcen und ist generationsübergreifend zu verstehen. Das Gemeinwesen ist gut beraten, wenn es die Kompetenz und Erfahrung der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger nutzt.

Professor Dr. Hans-Joachim Götze
Vorsitzender des KSB Mecklenburgische Seenplatte, Neubrandenburg

Quelle: Übernommen aus Seniorenkurier 01-2021

Gesundheitsförderung Gehör schenken geht in die nächste Runde

Nachdem die Audiobeiträge des Formates „Gesundheitsförderung Gehör schenken“ im vergangenen Jahr zu den meistbesuchten Online-Angeboten der LVG MV gehörten, wurden am 11. März 2021 weitere Beiträge von Expertinnen und Experten auf unserer Homepage veröffentlicht.

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Wie der Kongress “Armut und Gesundheit” das Leben aller zu verbessern versucht

Die Pandemie führt derzeit auch einer breiten Öffentlichkeit vor Augen, dass Armut und Gesundheit in unserem Land eng verbunden sind. Ob es um den Kauf der verpflichtenden Masken geht, die eingeschränkte Verfügbarkeit von Unterstützungs- und Betreuungsangeboten, der fehlende Zugang zu digitalen Gesundheitslösungen oder die erhöhte Gefährdung durch systemrelevante, aber trotzdem schlecht bezahlte Berufe in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Supermarktkassen. An allen Ecken und Enden wird deutlich: Wer wenig hat, hat auch gesundheitlich nicht viel zu lachen. 

So sehr dieses Thema aktuell im Fokus steht, es ist -leider- nicht neu. Auch in einem eigentlich reichen Land wie unserem gibt es viel zu viele Menschen, die aufgrund ihres Einkommens sozial und vor allem auch gesundheitlich benachteiligt sind. Die sich Präventions- und Vorsorgeangebote nicht leisten können. Die überlegen müssen, ob sie ihr Kind ins Ferienlager schicken oder sich selbst eine professionelle Zahnreinigung „gönnen“. Die 45 Jahre hart gearbeitet haben und trotzdem nicht wissen, wie sie Zuzahlungen zu medizinischen Leistungen bezahlen sollen. 

Seit 1995 werden all diese Zusammenhänge alljährlich auf dem Kongress „Armut und Gesundheit“ beleuchtet, aus Wissenschaft und Praxis. Gemeinsam wird jedes Jahr überlegt, wie Abhilfe zu schaffen ist, welche Angebote gemacht werden können, wie Wissenschaft und Praxis, Verwaltungen, Politik und Betroffene an einem Strang ziehen können. 

Der Jubiläumskongress im letzten Jahr musste pandemiebedingt leider ausfallen. Auch wenn es eine großartige Leistung ist, jährlich so viele Referenten, Workshopleiter, Helfer und vor allem Teilnehmer zu vereinen: Eigentlich würden wir lieber den letzten Kongress „Armut und Gesundheit“ feiern, wenn das bedeuten würde, dass dieser für die Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes gesundheitsgefährdende Zusammenhang endlich durchbrochen werden konnte.  

Doch leider ist es noch nicht so weit und so kämpfen wir als Gesundheitsförderer weiter für gesundheitliche Chancengleichheit, niedrigschwellige, nicht-diskriminierende Präventionsangebote und gesundheitsförderliche Strukturen in Städten und Gemeinden, die allen zugutekommen. Und wir freuen uns, in diesem Jahr wieder mit allen Mitstreitern, Freunden, Kollegen und Partnern zusammenzukommen, auf dem digitalen Kongress „Armut und Gesundheit“ 2021. 

Übrigens, es sind noch Plätze frei, vielleicht sind Sie ja auch einer von uns? Hier geht´s zum Kongress “Armut und Gesundheit” 2021. 

Warum wir auf Online-Angebote setzen – Ein Plädoyer für gesundheitliche Verantwortung

Wir haben aufgehört, zu zählen, die wievielte Verlängerung des Lockdowns wir haben. Auch wir wünschen uns Normalität, echtes Miteinander, gemeinsames Mittagessen mit den Kollegen, abends mal wieder weggehen. Aber: Wir machen es nicht.

Das betrifft natürlich auch unsere Projekte. Viele unserer Aktivitäten für die Gesundheitsförderung leben vom Austausch, von Gruppenarbeiten und der Durchführung vor Ort. Und gerade Personengruppen, denen es in dieser Zeit besonders an positiven Impulsen und Unterstützung fehlt, müssen auf unsere Angebote verzichten. Ob die Durchführung von Bewegungsangeboten in den Schulen, Entspannungshilfen für Erzieher oder auch Präventionskurse für Erwerbslose. Nein, wir machen es nicht.

Einige Partner haben uns schon angesprochen, ob wir nicht einzelne Angebote wieder durchführen könnten, mit Abstand und Hygienekonzept müsste das doch wohl machbar sein. Und die Teilnehmer bräuchten es doch so dringend. Andere würden ja auch wieder Kurse buchen, sogar von offiziellen Stellen, oder Maßnahmen durchführen. Trotzdem, wir machen es nicht.

Wir verstehen, dass die Situation gerade die meisten Menschen aus unterschiedlichen Gründen belastend ist. Seien es Existenzsorgen, Angst vor einer Ansteckung, Sorge um die Gesundheit lieber Menschen, die Bildungschancen der Kinder oder das Gefühl allgemeiner Trostlosigkeit. Wir wissen, dass gesundheitsförderliche Angebote hier Ablenkung und Abstand bedeuten können, dass das vertraute Miteinander in Kursen Halt geben kann. Dass die positive Beschäftigung mit Gesundheit ein Gegengewicht zu all den beängstigenden Nachrichten ist. Wir verstehen und müssen trotzdem sagen, wir machen es nicht.

Als Landesvereinigung für Gesundheitsförderung haben wir eine Verantwortung. Für die Gesundheitsförderung im Land, aber auch für die Gesundheit jedes Einzelnen, der an unseren Angeboten teilnimmt. Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und uns gemeinsam in diesen Zeiten unterstützen. Aber nicht vor Ort, in Kurs- und Seminarräumen, in Kitas, Schulen und Horten. Es fällt uns schwer, aber wir machen es nicht.

Wir sehen unsere Verantwortung. Wir wollen die Gesundheit schützen und gleichzeitig fördern. Deshalb haben wir unsere Angebote soweit wie möglich auf digitale Alternativen umgestellt. Wir bieten von Montag bis Freitag Online-Kurse an, planen unsere Veranstaltungen online und stellen Materialien auf unserer Internetseite zur Verfügung. Nicht alles ist perfekt, nicht alles lässt sich adäquat vermitteln, ohne dass man sich in einem Raum befindet. Für viele unserer üblichen Angebote haben wir bisher keinen Ersatz gefunden. Aber wir wollen uns sicher sein, dass im Rahmen unserer Aktivitäten und Veranstaltungen niemand einem unnötigen Risiko ausgesetzt ist. Weder unsere Teilnehmer, noch unsere Referenten oder unsere Kollegen. Auch, wenn wir uns alle etwas anderes wünschen: Diese Vorsicht bedeutet für uns gesundheitliche Verantwortung wahrnehmen und das machen wir.

Unsere Online-Angebote finden derzeit in Form von digitalen Fachveranstaltungen als auch von Mitmach-Angeboten in Gesundheitskursen statt.

Literaturempfehlung: Handlungshilfe „Netzwerke aufbauen und moderieren …”

Die Handlungshilfe Netzwerke aufbauen und moderieren – Wie Sie gesundheitsförderliche Kooperationen in Städten und Gemeinden aufbauen und entwickeln gibt praktische Tipps für die Umsetzung von Netzwerkaufbau und Netzwerkmoderation in der beruflichen Praxis.

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Weiterbildung “Kommunale Gesundheitsmoderation”: Starttermin verschoben!

Wir waren sehr optimistisch, als wir im November die Termin für unseren neuen Durchgang der Weiterbildung “kommunale Gesundheitsmoderation” veröffentlichten und die Anmeldungen zeigen, dass die Prioritäten derzeit noch anders verteilt sind.
Der Start der Weiterbildung verschiebt sich daher auf Ende April 2021, die genauen Termine finden Sie im Beitrag.

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Literaturempfehlung: „Gesundheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe – Das Konzept Health in All Policies und seine Umsetzung“

Dieser Band ist das erste Standardwerk zum Thema Health in All Policies (HiAP) in Deutschland. Das Buch beschreibt Idee und Grundanliegen sowie Kernmerkmale von HiAP und skizziert die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die aktuelle Umsetzung. Es schildert die Perspektive unterschiedlicher Politikfelder (z.B. Bildung, Umwelt, Verkehr) auf Gesundheit und gibt einen Einblick in Potentiale, Hindernisse und Chancen einer gesamtgesellschaftlichen Berücksichtigung. Der Sammelband enthält zahlreiche Praxisbeispiele der Umsetzung von HiAP und zeigt auf, wie Gesundheit zu einem wesentlichen Leitbild in allen Politikbereichen werden kann.

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19.01.2021: Fachtagung „Ihre Verbindung wird gehalten“ – Einsamkeit im Alter digital und sozial begegnen

Die Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. (HAG) führt in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Hamburger Sozialbehörde eine Regionalkonferenz „Gesund und aktiv älter werden“ durch. Schwerpunktthemen werden sein: das Gesundheitsrisiko Einsamkeit im Alter angesichts der voranschreitenden Digitalisierung sowie die Möglichkeiten zur Teilhabe.

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