LVG-Information 1/2020
Heute erscheint die erste Ausgabe unserer LVG-Information in diesem Jahr. Wir informieren u. a. über die Vorbereitungen zur Feier unseres 30jährigen Jubiläums am 9. Juni 2020 und stellen Aktivitäten in den einzelnen Projekten zu den Schwerpunkten „Kommunale Gesundheitsförderung und Chancengleichheit“ sowie „Kinder und Jugendliche“ vor.

1.-Ausgabe-2020

Wie immer freuen wir uns, wenn Sie uns Ihre Meinung, Lob, Kritik oder Hinweise schicken. Vielen Dank und eine interessante Lektüre.

#ThemadesMonats: Der Öffentliche Gesundheitsdienst

Eigentlich sollte dieser Artikel schon in der letzten Woche erscheinen, pünktlich zum Tag des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Aber auch bei uns hat sich die rasante Entwicklung der Lage bemerkbar gemacht und die eine oder andere geplante Aktivität musste dringenderen Dingen weichen. Nun sind aber alle Kollegen sicher im Home Office und mit der langsamen Gewöhnung an die neuen Arbeits- und Kommunikationsweisen kehrt auch die Ruhe für die liegen gebliebenen Aufgaben ein.

Nun also heute das Thema des Monats zum Öffentlichen Gesundheitsdienst, kurz ÖGD. Inzwischen haben die meisten wohl mitbekommen, dass die Gesundheitsämter, als die lokalen Anlaufstellen des ÖGD, unter anderem dafür zuständig sind, die Bevölkerung in gesundheitlichen Krisen zu schützen.

Was ist aber, wenn gerade mal nicht Corona ist?

Selbstverständlich lehnen die Kollegen sich dann nicht entspannt zurück! Im Leitbild des ÖGD „Public Health vor Ort“ können wir lesen: „Der Öffentliche Gesundheitsdienst fördert und schützt die Gesundheit der Bevölkerung.“ Und zwar jeden Tag. Was das konkret heißt, dafür gibt es in jedem Bundesland andere Vorstellungen, ganz nach den jeweiligen Bedarfen und Bedingungen, die sich natürlich in einem Stadtstaat anders gestalten als in einem Flächenland. Die Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes lassen sich jedoch in drei Kernbereichen zusammenfassen.

Alles Weitere ist dann im jeweiligen Landesgesetz geregelt. Für Mecklenburg-Vorpommern heißt das dann zum Beispiel auch Kontrolle der Badegewässer, Beratung zur Essbarkeit von gesammelten Pilzen, die Durchführung der Schuleingangsuntersuchungen, Aids-Beratungen und die Förderung der Inanspruchnahme der U-Untersuchungen. Die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig…

Ein ganzer Batzen von Aufgaben also, die da von den Gesundheitsämtern auf Landes- und Kreisebene sowie in den kreisfreien Städten unseres Landes erwartet werden. Klar, in vielen Bereichen kann man sicherlich auch das eine oder andere mit Kooperationspartnern (z. B. der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Mecklenburg-Vorpommern e. V.) gemeinsam machen, aber bei zahlreichen Aufgaben stehen die Kollegen ziemlich allein auf weiter Flur.

Und leider braucht es eine Krise wie die aktuelle, um einer breiten Masse vor Augen zu führen, dass der ÖGD seit Jahren am Limit und oft genug darüber hinaus arbeitet und für uns alle aktiv ist. Und zwar jeden Tag, nicht nur, wenn Corona ist. Dafür ein großes und längst überfälliges

DANKE!

PS: Vielleicht öffnet die Krise an der einen oder anderen Stelle Augen, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst nur Partner und eine Stütze im Gesundheitssystem sein kann, wenn die nötige Ausstattung und politische Rückendeckung da ist. Wir haben Hoffnung und wollen gerne unseren Teil beitragen.

#30Jahre_LVG: Unser erstes Projekt

Schon bei der Gründung der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Mecklenburg-Vorpommern e. V. hatten unsere Initiatoren einen sorgenvollen Blick auf die Gesundheit von Kindern in unserem Bundesland geworfen und das gesunde Aufwachsen zum erklärten Ziel der Landesvereinigung erhoben. Die zunehmend schlechten Gesundheitsdaten ließen den Gedanken an ein umfassendes Gesundheitsförderungsprogramm, kurz GFP, reifen. Neben Übergewicht bereiteten auch vermehrt psychosomatische Störungen der Kinder, v. a. hervorgerufen durch Arbeitslosigkeit der Eltern, dem Vorstand Sorgen.

Die noch junge LVG hielt sich nicht mit kleinen Brötchen auf und entwickelte mit ihren Partnern ein umfassendes Angebot, das sich nicht nur an Kindergartenkinder und Grundschüler richtete, sondern auch Erzieher, Lehrer, Eltern und Köche der Einrichtungen mit einbezog. In der monatelangen Vorbereitungsphase, an der neben Vorstand und Geschäftsstelle auch Krankenkassen, Schul- und Gesundheitsämter sowie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beteiligt waren, wurden Ideen gewälzt und verworfen, Themen aufgebracht und diskutiert, zurückgewiesen oder angenommen. Tatkräftige Unterstützung leisteten hier die Kollegen aus Hamburg, die uns an ihren Erfahrungen teilhaben ließen. Am Ende war ein Projekt geboren, das von Bewegung und Ernährung über Körperhygiene, angepasste Kleidung und Zähneputzen bis hin zu Suchtprävention und Stärkung des Selbstbewusstseins das Grundgerüst eines gesunden Aufwachsens für alle werden konnte.

Zum Auftakt am Weltgesundheitstag 1994 kam nicht nur der damalige Sozial- und Gesundheitsminister, sondern auch Vertreter der Krankenkassen und die Presse. Für die Kinder und Erzieher der Kita Kirch Jesar eine große Aufregung – und für die Landesvereinigung natürlich auch! Unser erstes großes Projekt war gestartet!

Hoppel und Brummel, die Hauptfiguren des Programms, begleiteten die Projektmitarbeiterinnen der LVG (allesamt ausgebildeten Erzieherinnen) in die Einrichtungen: Zunächst nur die Kindertagesstätten im damaligen Landkreis Hagenow, dann auch in anderen Kreisen und schließlich sogar in Grundschulen. Insgesamt konnten während der knapp dreieinhalbjährigen Projektlaufzeit 1.752 Einrichtungen mit mehr als 28.850 Kindern erreicht werden. Wieviel mehr hätten wir erreichen können, wenn das Projekt wie geplant über zehn Jahre fortgeführt worden wäre?! Die Nachfrage, so steht es zumindest in der sehr ausführlichen Dokumentation, war jedenfalls stets größer als die Möglichkeiten der noch kleinen Landesvereinigung. Auch wenn zuletzt sechs Mitarbeiterinnen im Projekt tätig waren, konnte das Projekt nur in drei der damals 14 Landkreisen umgesetzt werden.

Trotz der Enttäuschung über das nicht flächendeckend durchgeführte Projekt, bewies die Landesvereinigung Weitsicht und fertigte eine umfangreiche Dokumentation samt Evaluation an, die uns heute staunen lässt: Beschreibungen des Programms finden sich ebenso wieder wie Presseartikel und die fachlichen Rückmeldungen der beteiligten Projektmitarbeiter. Auch wenn sich leider nicht alle Materialien erhalten haben, fragen wir uns schon, ob man ein solches Programm nicht wiederaufleben lassen könnte. Der Bedarf für diese Themen ist leider auch nach 30 Jahren Gesundheitsförderung unverändert hoch und Hoppel und Brummel würden sicher auch heute noch bei den Kleinsten Begeisterung auslösen…

Marktplatz Gesundheit 1/2020 erschienen

Heute erscheint die in diesem Jahr erste Ausgabe unseres kommunalen Newsletters. Ein Schwerpunkt diesmal sind die Entwicklungen rund um das Thema Ehrenamt in Mecklenburg-Vorpommern. Ob Ehrenamtkarte, EhrenamtMessen oder MitMachZentralen. Es gibt viel Neues zu berichten. Des Weiteren finden Sie darin Berichte, Veranstaltungshinweise und Tipps zu neuen Arbeitsmaterialien.

Zum Newsletter: Marktplatz Gesundheit erscheint alle 2 Monate. Er richtet sich insbesondere an Kommunen, freie Träger, ehrenamtlich Tätige, aber auch weitere Interessierte. Dabei informiert er zu allen Themen rund um die kommunale Gesundheitsförderung in Städten und Gemeinden. Der Schwerpunkt liegt dabei bei Mecklenburg-Vorpommern.

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Ihr Team vom „Marktplatz Gesundheit“

#Thema des Monats: vulnerable Zielgruppen

Gesundheit ist individuell. Jeder Mensch hat eine eigene Vorstellung und ihm eigene Ressourcen, die seine Gesundheit beeinflussen. Manch einer ist mit einem guten Immunsystem ausgestattet oder kann in psychisch belastenden Situationen auf die Unterstützung seiner Familie oder Freunde vertrauen. Wieder andere haben die Möglichkeiten, selbst für ihre Gesundheit zu sorgen, etwa durch Zusatzleistungen beim Arzt oder den regelmäßigen Besuch im Fitnessstudio. Sogar ein Urlaub kann die Gesundheit fördern, wenn der belastende Alltag zuhause bleibt.
Diese Einzigartigkeit bedeutet jedoch auch, dass es Menschen gibt, die statt förderlichen Ressourcen in ihrem Leben vor allem Risiken für die Gesundheit erfahren oder keinen Zugang zu Präventionskursen und Co. haben.

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#30Jahre_LVG: Die ersten Jahre

Die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Mecklenburg-Vorpommern e. V. wurde am 8. Juni 1990 gegründet, mit dem Ziel, die Lücke der nach dem Mauerfall wegbrechenden Strukturen zu schließen. Bisher hatten „Bezirkskabinette für Gesundheitserziehung“ nicht nur Erziehern und Lehrern pädagogische Richtlinien zu Gesundheitsthemen gegeben, sondern auch Ausstellungen und Informationen für die Allgemeinheit erarbeitet.

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LVG-Information 1/2019 erschienen

In unserer ersten -Ausgabe- der LVG-Information in diesem Jahr informieren wir u. a. über
– unsere Fachveranstaltungen in den nächsten Wochen, wie
* den 20. Kindergartentag Mecklenburg-Vorpommern,
* die Partnerkonferenz „Netzwerke – Partner*innen finden ist nicht schwer, sie zu halten aber sehr!“
* die Fachtagagung „Alles digital – Kann das denn noch gesund(heitsförderlich) sein?
* den Lütten-Hüter-Tag
– unser Modellprojekt „Partizipative Gesundheitsförderung bei Alleinerziehenden“ und die Veranstaltungsreihe „gesundheitshAlber“
– den aktuellen Stand im Projekt „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung“.

Seelisch gesund aufwachsen – neue Merkblätter und Filme für Eltern ergänzen die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9 für Kinder

Eltern, die mit ihrem Kind zu den Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9 gehen, erhalten dort künftig auch Merkblätter zur seelischen Gesundheit bzw. psychischen Entwicklung ihrer Kinder. Die zehn Merkblätter „Seelisch gesund aufwachsen“ orientieren sich an den bekannten Merkblättern „Kinderunfälle“ und wurden von den gesetzlichen Krankenkassen, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Deutschen Liga für das Kind, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) entwickelt. Zudem besteht die Möglichkeit, sich mit zehn anschaulichen Filmen – in mehrere Sprachen übersetzt – zur psychischen Gesundheit von Kindern zu informieren. 
Laut einer aktuellen Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS-Studie) zeigen etwa 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland zwischen drei und 17 Jahren psychische und psychosomatische Auffälligkeiten. Die Merkblätter setzen hier präventiv an. Ziel ist es, die Elternkompetenz zu stärken, indem die seelischen Bedürfnisse der Kinder altersgerecht erklärt werden – von Geburt an bis zum sechsten Lebensjahr. Warum braucht das Kind meine Nähe? Was soll ich tun, wenn es fremdelt? Wie soll ich mit Ängsten meines Kindes umgehen? Wie lernt mein Kind Empathie und Konfliktfähigkeit? 
„Gesund aufwachsen bedeutet mehr als nur körperliches Wohlbefinden. In der Kindheit wird der Grundstein gelegt für unsere seelische Gesundheit und unsere Widerstandsfähigkeit im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen. Die gesetzlichen Krankenkassen wollen die Eltern dabei unterstützen, die seelische Gesundheit ihrer Kinder zu stärken“, erklärt Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, das Engagement der gesetzlichen Krankenkassen. 
„Den Kinder- und Jugendärzten kommt beim frühzeitigen Erkennen, Behandeln, und im Idealfall, Vermeiden seelischer Störungen eine Schlüsselrolle zu“, sagt Dr. Sibylle Steiner, Dezernentin der KBV. „In den U-Untersuchungen werden auch Fragen der Primärprävention, also das Vorbeugen von Störungen und Krankheiten, mit den Eltern beraten. Die Merkblätter zur seelischen Gesundheit unterstützen und ergänzen dabei das Arzt-Patienten-Gespräch. Die Kinderärzte können die Merkblätter kostenfrei bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung beziehen.“ 
„Emotionale Vernachlässigung in früher Kindheit gilt als bedeutendster Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter. Ein niedriger sozioökonomischer Status der Familie, mangelnde Bildung, schlechte Wohnverhältnisse oder auch eine Suchterkrankung eines Elternteils können die emotionalen, sozialen und kulturellen Ressourcen einer Familie schwächen“, stellt Dr. Hermann-Josef Kahl, Bundespressesprecher vom BVKJ fest. „Für Eltern sind die Kinder- und Jugendärzte in der Regel die ersten Ansprechpartner. Sie haben einen besonderen Blick für die Probleme der Eltern und Kinder.“ 
Prof. Dr. Sabine Walper, Präsidentin von der Deutschen Liga für das Kind, betont: „Mütter und Väter sind meist ‚Novizen‘ im Umgang mit Kindern, wenn sie Eltern werden. Sie sind in ihrer neuen Rolle unsicher und suchen Orientierung. Elternkompetenz muss erst noch erlernt werden. Die vorliegenden Merkblätter geben den Kindern mit ihren Bedürfnissen und entwicklungsbezogenen Bedarfen symbolisch eine Stimme und erleichtern es den Eltern, passend auf ihre Kinder einzugehen.“ 
„Damit möglichst viele Familien – auch mit geringen Deutschkenntnissen – von den Filmen profitieren, hat die BZgA die fünf fremdsprachlichen Versionen der Filme finanziell unterstützt. In Deutschland gibt es vielfältige Angebote der Frühen Hilfen, um Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken, allerdings sind sie ihnen häufig nicht bekannt. Über die neue Suchfunktion der Website des NZFH www.elternsein.info finden Eltern Anlaufstellen für Frühe Hilfen in ihrer Nähe. Dies ist eine wichtige Ergänzung der Merkblätter und Filme, wenn Eltern darüber hinaus Unterstützung brauchen“, so Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA. 
Die Merkblätter sind auf jeder Homepage der unten genannten Organisationen abrufbar. Die Filme wurden von der Ehlerding Stiftung, der JK-Stiftung für kompetente Elternschaft und Mediation sowie von der Kroschke Kinderstiftung gefördert. Alle Filme sind auf www.seelisch-gesund-aufwachsen.de zu finden. 

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung vom 26.3.2019